Geheimbericht des Bundesrechnungshofes gibt Nicole Munk recht:
Eröffnungsbilanz 1995 der Telekom war falsch. Wertberichtigung des Immobilienvermögens jetzt bei 5 Milliarden DM. Noch kein Ende der Hiobsbotschaften in Sicht: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen weiter. Ausverkauf bei Telekom hat begonnen.
Als die Deutsche Bundespost im Sommer 1997 an die Börse ging und die T-Aktie mit riesigem Werbeaufwand eingeführt wurde, gab es kaum jemanden, der nicht euphorisch von der „Volksaktie“ und einem neuen Zeitalter an der deutsche Börse sprach: Minister, Staatssekretäre, Politiker, Wirtschaftsfachleute und solche, die sich für Börsenexperten hielten, hörten nicht auf, dem deutschen Bundesbürger zu predigen, dass die T-Aktie eine ganz besonders attraktive Kapitalanlage für ihn sei, eine neue Form des Sparbuches und der Altersversorgung, härter als die Deutsche Mark und mit wesentlich mehr Rendite als alle übrigen Alternativen. Das war die Musik, mit der man uns reingelegt hat.
Die T-Aktie als Volksaktie? Oder wollte man nur an das Geld der Bürger?
Dem deutschen Bürger wurde suggeriert, dass er ohne Gefahr sein Sparbuch und seine Rentenpapiere in T-Aktien umtauschen soll. Um das zu erreichen, lief eine bundesweite TV-Werbeaktion in einem bis dahin noch nicht bekannten Ausmaß an. Der Bundesregierung, dem Bundesfinanzminister und den Telekom-Vorständen war dafür nichts zu teuer: Deutschlands bekannteste Fernsehlieblinge wurden engagiert und ließen sich vor den Karren der PR-Profis spannen.
Fernsehkommissar Manfred Krug, nach Umfrageergebnissen mit einem Bekanntheitsgrad wie der Bundeskanzler und mit Höchstwerten für Glaubwürdigkeit und Sympathie, aber auch andere Größen aus Film, Sport und Fernsehen suggerierten dem deutschen Bundesbürger in massenhaft geschalteten Werbespots Fakten, die jeden Deutschen stolz machen sollten:
„Wir haben das größte, das modernste und längste Kabelnetz der Welt. Wir haben die beste Logistik aller Postunternehmen der Welt.“ Wir, das ist die Telekom. Wir, das können jetzt auch Sie selbst sein. An diesem riesigen Volksvermögen kann jetzt jeder Deutsche einen Anteil erwerben. Eben durch den Kauf der T-Aktie. Aber warum sagte uns damals keiner die Wahrheit: Wir sind jetzt schon pleite!
Vorhandenes Misstrauen gegen die Aktie als Anlageform geißelten die größtenteils selbst ernannten Börsen- und Wirtschaftsspezialisten als Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands: Fast schien es so, als ob die Deutschen an den Strukturproblemen ihrer Wirtschaft selbst schuld seien: Ein Volk, das Angst vor der Aktie hat, braucht sich nicht zu wundern, wenn andere Volkswirtschaften auf der Überholspur sind, redeten die Fachleute auf die Bürger ein. In anderen Ländern läuft die Wirtschaft besser, weil es mit den Aktien keine Berührungsängste gebe. Was solle denn dagegen sprechen, wenn Millionen von Deutschen an ihrer Post / Telekom über Aktien beteiligt seien? Das waren die Zaubersprüche, um dem Volk das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das System der T-Aktie als Volksaktie wurde als Modell für eine soziale Marktwirtschaft mit Beteiligung des Bürgers am Volksvermögen proklamiert.
Das alles konnte den deutschen Bundesbürger auf Dauer nicht kalt lassen: Sollte die gute alte deutsche Post zum Spielball ausländischer Investoren werden, nur weil sich niemand trauen würde, die T-Aktie zu kaufen? Niemals! Kein Wunder, dass diese Kombination aus trügerischem Sicherheitsgefühl und eingeredetem Gemeinschaftsgeist sehr schnell zu einem Run auf die Telekom-Aktie führen musste.
Die ersten Meldungen bestätigten es: Mehrfache Überzeichnung der Aktie! Für den Bürger die eindeutige Bestätigung: Die Fachleute, die Fernsehkommissare hatten Recht. Wer keine Aktien mehr zugeteilt erhielt, erntete damals ein mitleidiges Lächeln: Eben ein typischer Zuspätkommer. War die Zuweisung der Aktien, um zu den „Überzeichnungen“ zu gelangen, auch eine Schau?
Ron Sommer wurde nicht nur zum neuen Superstar der Börse; er schien der Messias zu sein, der gerade den Bürgern in den unteren und mittleren Einkommensgruppen eine neue Grundlage für Wohlstand und Altersversorgung verheißen konnte. Die Hauptversammlungen der Telekom wurden zum inszenierten Medienspektakel. Insgeheim ging es aber darum: Wie knöpft man dem Bürger das Geld ab? Die Pressemitteilungen der Telekom erwarben sich den Status von Regierungserklärungen. Doch die T-Aktie war eben zu keiner Zeit eine sichere Altersversorgung. Und zwar von Anfang an.
War die Einführung der T-Aktie geplanter Volksbetrug?
Im Februar 2001 hatte ich erstmals in der Wetterauer Zeitung vor dem Trugschluss gewarnt: Aktien sind keine Altersversorgung. Telekom, Heyde, Commerzbank, Intershop ….. im Sturzflug. Viele haben auf mich gehört. Trotzdem erreicht der Schaden heute eine hohe dreistellige Milliarden-Summe. Der Bericht des Bundesrechnungshofes bleibt aber weiterhin geheim:
Das Volk soll nicht erfahren, wie, wann und von wem es betrogen worden ist.
Wertberichtigungen der Immobilien, Milliarden- schulden, zweifelhafte Beteiligungszukäufe und kein Ende
Bereits zwei Mal mussten Ron Sommer und seine Vorstandskollegen von der Telekom den Wert der Telekom-Immobilien nach unten korrigieren. Mitte Dezember 2001 hatte die Telekom den Staatsanwälten, die wegen Bilanzfälschung gegen die Telekom-Vorstände ermitteln, ein Wertgutachten zur Verfügung gestellt, in dem alle Immobilien des Telekom-Konzerns einzeln bewertet worden sind. Das Ergebnis: Der Wert der Immobilien musste dieses Mal um ca. 460 Mio. Euro (DM 900 Mio..) abgeschrieben werden. Neu ist das nicht: In den vergangenen Jahren hatte der Vorstand der Telekom den Wert der Immobilien schon einmal um ca. DM 4 Milliarden nach unten bewerten müssen. Rund 5 Milliarden DM Falschbewertung, das sind keine „Peanuts“ mehr. Und ob das Ende der Fahnenstange damit erreicht ist, weiß auch niemand.
Die Überprüfung der manipulierten Bilanzen zieht sich noch mindestens bis Jahresende hin: Vorher werde die Bonner Staatsanwaltschaft „auf keinen Fall“ mit den Aktenbergen fertig sein, sagte Behördensprecher Friedrich Apostel in Bonn. Seinen Angaben zufolge sind bereits fünf Beamte der Staatanwaltschaft beschäftigt. Um die Vorwürfe der falschen Bilanz bei dem Staatskonzern zu prüfen, habe die Behörde eigene Räume anmieten müssen.
Ausverkauf der Telekom zum Milliarden-Schuldenabbau? Was bleibt dann den Aktionären?
Und der Verdacht kommt auf, dass es sich dabei nur um die Spitze des Eisberges handeln könnte. Über rund 11.500 Grundstücke verfügt die Telekom AG. Um die Schulden abbauen zu können, sollen viele dieser Grundstücke jetzt verkauft werden. 27 Top-Immobilien der Telekom wurden bereits für ca. 560 Mio. Euro an eine Tochtergesellschaft der US-Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter verkauft. Andere Immobilien scheinen unverkäuflich. Ebenso werden aber auch Beteiligungen und Lizenzen der Telekom verkauft. Wird jetzt alles bei der Telekom verhökert? Was bleibt dann noch den Aktionären? Wie soll das weiter gehen?
Wird jetzt der Bürger als T-Aktionär ein zweites Mal zur Kasse gebeten? Oder endgültig enteignet? Was bleibt nach dem Ausverkauf von allem, was noch Geld bringt, wenn gar nichts mehr da ist, noch übrig? Wo steckt dann die Altersversorgung der Bürger? Diese Fragen türmen sich auf. Und niemand von denen, die die T-Aktie in den Himmel gehoben haben, antwortet darauf.
Schwere Schuldvorwürfe gegen den Finanzminister und die Telekom.
Fachleute sehen neben den Wertberichtigungen an den Grundstücken als zusätzliche Ursache für diese Vernichtung des T-Aktien-Volksvermögens die schwerwiegenden Management-Fehler des Telekom-Vorstandes, auch im Zusammenhang mit dem Erwerb der UMTS-Lizenzen. Lachender Dritter der Emissionen und Kapitalerhöhungen war und ist dabei Finanzminister Hans Eichel (SPD): Denn das Geld der Aktionäre floss in dreistelligen Milliardenbeträgen in seine Haushaltskasse zurück. Schon beginnt die Diskussion um die Zukunft der Telekom den Bundestagswahlkampf der SPD zu belasten: Mit dem Verkauf der T-Aktie zog der Finanzminister mit der Telekom dem Volk die Ersparnisse aus der Tasche!!! Mit diesem Geld sollte die Misere des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland bekämpft werden, die Altersversorgung sichergestellt und die Reform des Gesundheitswesens auf den Weg gebracht werden. Realisiert worden ist davon so gut wie gar nichts.
Diese Meinung hört man jetzt immer öfter. Denn das Volk beginnt zu begreifen, dass der Kurssturz der T-Aktie nicht etwa die Verwirklichung eines generellen Börsenrisikos bedeutet. Der Bürger versteht vielmehr immer genauer, dass vorsätzliche Pflichtverletzungen der Bundesregierung und der an den Aktienemissionen Beteiligten für den jetzigen Kurs der Aktien verantwortlich sind: Eben nicht Pech gehabt, sondern reingelegt worden. Und das von Managern und auch von Würdenträgern mit amtlichem Vertrauen. Das ist besonders bitter.
BILD NICOLE MUNK
Der Amtseid des Finanzministers lautet gemäß Art 56, 64 ff. GG:
"Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe."
Milliardenschuldenloch muss gestoppt werden!
Bilanz-Affäre der Telekom nimmt kein Ende!
Die Talfahrt der T-Aktie setzte sich in den letzten Tagen fort. Die T-Aktie rutschte am Montag im elektronischen Handel auf ein neues Rekordtief von 8,55 Euro. Das entspricht einem Kursrückgang von 5,5 Prozent. Am Mittwoch gab es nochmals einen „Rückgang“ um weitere 8,2 %. Richtigerweise spricht man da schon von einem freien Absturz. Damit ist die Deutsche Telekom der größte Verlierer im Aktienindex DAX. Das alles kann nicht auf Zufall beruhen.
War die T-Aktie ein geplanter Volksbetrug? Die Volksseele kocht!
Das alles hat bei dem Bürger nicht nur Ärger, Wut oder Enttäuschung ausgelöst. Die Politiker haben es vielleicht noch nicht so richtig bemerkt: Aber die Volksseele kocht. Denn die Kaltschnäuzigkeit und die Frechheit, mit der jetzt die börsentypischen Ausreden präsentiert werden, bringen das Fass zum Überlaufen. Wir bräuchten jetzt genauso eine Volksbewegung zum Schutz der T-Aktionäre wie damals diese Volkswerbeaktionen bei den T-Aktien-Emissionen gelaufen waren, sagt mir ein Bad Nauheimer Bürger: Nur deshalb, weil der Staat und viele mächtige Banken diese Maschinerie für die Vernichtung des Volksvermögens zum Laufen gebracht und unvorstellbare Summen daran verdient haben, kann es doch nicht angehen, dass sich niemand wagt, für die Interessen der Geschädigten einzutreten.
Stadtzeitung Bad Nauheim Nr. 554 vom 28.06.2002
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