Weitere zwei Milliarden sollen die Kranken selbst bezahlen aber fünf Milliarden Steuergeschenk für die Versicherungen - Versicherungen sollen durch Regierung vor Pleite gerettet werden!
Wer rettet Sozialhilfeempfänger?
- Von Dr. Nicole Munk -
Die
Krise der deutschen Lebensversicherer ist gravierender als bislang
bekannt: Bis zu zehn Unternehmen stehen nach Angaben aus
Koalitionskreisen vor der Insolvenz, falls die Steuergesetze für
Versicherungen nicht geändert werden. Auch in der Wirtschaft wird auf
die Gefahr von mehreren Pleiten hingewiesen.
Die
SPD-Fraktion wollte deshalb am Mittwochabend auf einer Sondersitzung
ein Hilfspaket verabschieden, von dem sich die Versicherungsunternehmen
fünf Milliarden Euro Entlastung versprechen. Am Tag zuvor hatten die
Abgeordneten eine Entscheidung nach turbulenter Debatte vertagt.
In
der SPD-Fraktion stieß das Hilfspaket jedoch auf heftigen Widerstand.
Mehrere Abgeordnete kritisierten, dass die Versicherungen um fünf
Milliarden Euro entlastet würden, während Sozialministerin Ulla Schmidt
in der Rentenkasse zwei Milliarden Euro einsparen müsse.
Millionen Versicherte betroffen
Vertreter
der Union kritisierten, dass die Regierung in aller Eile ein bereits
eingebrachtes Steuergesetz noch ändern wolle: „Hier wird Gesetzgebung
auf Zuruf von Interessenvertretern gemacht“, erklärte der
haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dietrich
Austermann.
Die
Koalition verteidigte die Pläne. „Es geht hier nicht darum, die
Gewinninteressen der Versicherungsbranche zu bedienen, sondern wir
handeln im Interesse von Millionen von Versicherten“, sagte
SPD-Fraktionsvize Joachim Poß der Süddeutsche Zeitung.
Lebensversicherer in ernster Gefahr
Falls
der Gesetzgeber jetzt nicht handle, stünden fünf bis zehn
Lebensversicherungen vor der Pleite, darunter auch größere Anbieter; im
schlimmsten Fall wären mehrere Millionen Versicherte betroffen. Dies
hätten auch Untersuchungen der Finanzaufsicht BaFin gezeigt, hieß es
ergänzend in Aufsichtskreisen. Mögliche Pleiten würden sowohl den
Finanzplatz Deutschland beschädigen als auch das derzeit wichtigste
Produkt der privaten Altersvorsorge.
„Wir
wollen in diesem Winter nicht weitere Mannheimer-Fälle erleben“, sagte
SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler unter Verweis auf die Insolvenz der
Mannheimer Leben im Frühjahr. Auch Branchenvertreter mussten einräumen,
dass ohne den geplanten Eingriff mehrere Versicherer bedroht seien; sie
litten unter den Kursverlusten in Folge von Fehlspekulationen an der
Börse.
Seit
Jahren kritisieren wir die Aufsichtsbehörde wegen Ihrer laxen Haltung
gegenüber den Versicherungsunternehmen. Es wäre längst an der Zeit die
Unternehmen an ihre Transparenzpflichten zu erinnern. Die Kunden mit
deren Geld die Versicherungen arbeiten, haben keine Möglichkeit sich
über Stille Reserven und Lasten ihres Versicherers und die
Renditechancen ihrer Anlagen zu informieren. Wer heute einen
Lebensversicherungsvertrag abschließt kauft sich am besten eine
Kristallkugel um sich über den Wahrheitsgehalt der vielfältigen
Versprechen zu informieren. Der Gesetzgeber ist in der Pflicht für
Wahrheit und Klarheit zu sorgen damit die Bürger und das Volksvermögen
vor weiteren Verlusten geschützt wird. Die Kapitallebensversicherung
ist unter den heutigen Rahmenbedingungen ein echtes Auslaufmodell
in der Altersvorsorge.
Schon 2001 war es absehbar
Man
kann sich nicht mehr vorstellen, dass unsere Regierung an zehn
Versicherungsgesellschaften fünf Mrd. Euro verschenken muss, weil die
sonst konkursgefährdet sind! Hier darf die Frage erlaubt sein, wo die
soziale Gerechtigkeit bleibt? Was das für Bürger, die
Lebensversicherungen abgeschlossen haben, an Ängsten bringt, kann sich
ein normaler Mensch kaum mehr vorstellen. Wir hatten am 29. Juli 2001
in der Stadtzeitung Bad Nauheim unter dem Titel „Milliardenprofite für
Banken und Versicherungen – Aufgepasst, sonst sind wir Bürger die
Dummen!“ – gewarnt, dass die Riesterrente nichts taugt, aber dass die
Zustände so chaotisch sind, wollten selbst wir uns nicht vorstellen.
Warum erfährt man jetzt erst die Wahrheit – und die auch nur
scheibchenweise? Gefordert wurde von uns damals auch, im Rathaus eine
Beratungsstelle für Nauheimer Bürger einzurichten, damit diese im Alter
keine böse Überraschung erleben.
Nichts ist seitdem geschehen….schade!
Erschienen in der Sz BN am 17.10.2003 |