Sanierungsexpertin Dr. Nicole Essiger-Munk, Politikwissenschaftlerin
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Neue Chancen für Ältere - Mangel an Fachkräften nimmt zu
 

Es klingt richtig positiv: Nach vielen Jahren, in denen sich Unternehmen gern von älteren Arbeitnehmern trennten, richten jetzt Wirtschaft und Politik verstärkt ihr Augenmerk auf diese Gruppe.

Einen „grundlegenden Richtungswechsel“ in der Beschäftigungspolitik zu Gunsten älterer Arbeitnehmer hält gar der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeiterverbände, Reinhard Göhner für notwendig. Auch im neuesten „Berufsbildungsbericht 2001“ heißt es: „Bisherige Leitbilder und einseitige Zentrierung auf jung oder Jugend sind nicht mehr zeitgemäß.“ Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Klaus von Trohta betont: „45-Jährige gehören nicht auf das Abstellgleis".

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, appellierte bereits im vergangenen Jahr an die Arbeitgeber, verstärkt ältere arbeitslose Fachkräfte einzustellen. Man dürfte „Menschen nicht schon mit 50 Jahren als alt bezeichnen“, sagte er. Es sei auch falsch, ihnen nichts mehr zuzutrauen. Rund 821.000 Arbeitslose sind 55 Jahre und älter. Auch in der Diskussion über die Lage der Sozialkassen wird wiederholt die Forderung erhoben, die Deutschen sollten wieder länger arbeiten und später in Rente gehen.

Die betroffene Altersgruppe dürfte den neuen Trend in der Beschäftigungspolitik mit gemischten Gefühlen betrachten. Einerseits sind viele Menschen über 50 so fit und unternehmenslustig und fühlen sich so jung, wie keine Generation vor ihnen. Andererseits scheiden viele wegen verminderter Erwerbstätigkeit vorzeitig aus dem Berufsleben aus. Dies sind weit über 200.000 Männer und Frauen pro Jahr. So waren rund 20 Prozent aller Neurentner 1999 Frührentner.

Mit einer Beschäftigungsoffensive für ältere Arbeitnehmer wird sich dann auch das Bündnis für Arbeit befassen, wenn die Gespräche nach mehr als halbjähriger Unterbrechung Anfang März weitergehen. Dabei soll über die Herabsetzung der Altersgrenze für Eingliederungszuschüsse von 55 auf 50 gesprochen werden. Auch die bisherige Politik, die auf Vorruhestandsregelungen oder die umstrittene Rente mit 60 gesetzt hat, soll laut Arbeitsstaatssekretär Gerd Andres „endgültig passe“ sein. Noch in diesem Jahr sollen Weiterbildungsangebote für ältere Arbeitnehmer ausgebaut werden.

Deshalb: Mehr freie Entscheidung für unsere Senioren.

Erschienen in der Sz BN am 09.03.2001

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