Die Stadtzeitung Bad Nauheim: Und zum Schluß lief nur noch eine...
Nicole
Munk lief Probemarathon beim Sponsor-Lauf der Stadtschule an der
Wilhelmskirche 60 Runden a 50 DM - Sponsor Koal muß 3000 DM
löhnen.
Die
obligatorische Denkmalenthüllung war es nicht, sondern geballte
Sportpower die am vergangenen Samstag alles was mehr oder weniger fit
im Schatten der Wilhelmskirche erscheinen ließ. Eines vorweg: Jedem
der Teilnehmer am Sponsoringlauf der Stadtschule sei höchstes Lob
gezollt. Dem, der in
Wanderschuhen nur ein paar Runden - immerhin 500 Meter - absolvierte,
genauso wie denen, die fit wie der berühmte Turnschuh, Runde um Runde
abspulten, um für eine gemeinsame Sache einzutreten: Die Umgestaltung
des Schulhofes der Stadtschule an der Wilhelmskirche; vielleicht gerade
rechtzeitig zum 100jährigen Jubiläum im kommenden Jahr.
Ein
hohes Lob sei an dieser Stelle Hedwig Rohde zu gezollt, die in den
vergangenen Jahren so manchen „Marathonlauf“ unternahm und als
Ideengeberin dieser wunderbaren Sache schon Tausende von
zusammengelaufenen Mark verbauen konnte. Ob an der Stadtschule an der
Wilhelmskirche oder an der ELS, hier erlebt man die Agenda live. Nicht
an irgendwelchen Bürotischen, sondern Schweißtropfen um Schweißtropfen,
Stunde um Stunde akribischer Arbeit für unsere Kinder.
Es war
ein kleines Volksfest bei Kaffee und Kuchen, bei Erbsensuppe und
Blutdrucktest. Der Schulhof wurde zum Stadion, der Alte Friedhof zum
viel umlagerten Sportplatz. „Hopp, Hopp, Hopp“ hallte es am
Ernst-Ludwig-Ring, „auf, los geht’s, noch ‘ne Runde“, in der
Mittelstraße.
Allen
voran waren es die Kleinen, die wie einst Emil Zatopek das
„Stadionrund“ mit Leben füllten. Elternteil um Elternteil gesellte sich
in die Reihe und gegen 12 Uhr mittags waren mehrere hundert Leute auf
der Strecke.
Zu
diesem Zeitpunkt hatte allerdings schon eine Gruppe von drei Athleten
ein gehöriges Pensum abgewickelt. Nicole Munk, Oliver Häuser und noch
ein Läufer waren schon Punkt elf gestartet, um soviel Geld wie möglich
zusammenzulaufen.
Und
dieses Trio war es dann auch, das den Vormittag sportlich bestimmen
sollte. Runde um Runde kämpften sie sich durch den Pulk. Klar war zu
sehen, dass die drei nicht zum ersten Mal laufen.
Während
Papa sich mal schnell ‘ne Pause bei einem Kaffee gönnte, Mama Hand in
Hand mit der Tochter durchs Ziel im Schulhof lief, donnerten die drei
relativ teilnahmslos ihre Runden runter. Hier und da mal ein
Schwätzchen mit dem Mitläufer, dann und wann ein Blick auf die Uhr oder
ein freundliches Winken in die applaudierende Zuschauerschar. Und alles
unter den strengen Augen von Karin Scheunemann (LSC), die mit jeder
Runde mehr Spaß bekam, an der Tafel im Schulhof ihre Striche zu machen.
Stadtschuldirektor Fritz betätigte sich zwischendurch als
Stadionsprecher, um dann wieder mal eine Runde in Angriff zu nehmen.
Sein Alter in Runden lief der rührige "Direx" an zwei Tagen heraus. Das
hat er nun davon; nun weiß jeder, dass Herr Fritz 57 Lenze zählt.
Dass
der Chef zu dieser Zeit sage und schreibe 2.850 D-Mark für die eigene
Schule zusammengelaufen hat, erfuhr er erst später. Nicole Munk hatte
zwischen Kilometer zehn und fünfzehn 50 D-Mark für jede Runde des
Direktors in Aussicht gestellt. Die wurden denn auch prompt bezahlt und
Fritz war happy. Happy auch mit jeder Runde, die die junge
Marathonläuferin abspulte. Schließlich hatte Hans-Bernd Koal von der
Senioren-Residenz vollmundig einen „Fuffi“ pro Runde auf die
Wirtschaftsberaterin aus Rödgen gesetzt. Und das wurde für Herrn Koal
teuer, denn die junge Kommunalpolitikerin - übrigens mit Stadtrat
Witzel die einzig anwesende Politprominenz an diesem Tag - lief bis in
die Puppen. Ihre Partner vom Vormittag hatten schon lange die Segel
gestrichen, als Nicole so gegen halb eins zum ersten Mal am
Mineralwasser nippte. Frisch geduscht applaudierte Oliver Häuser seiner
Laufpartnerin vom Vormittag: „Die ist vielleicht gut drauf“.
Der durch eine Baseball-Kappe gesteckte Zopf wippte in der Frühjahrssonne, kein Hauch von Ermüdung. Sie hat es wirklich drauf.
Kurz
vor ihrem Start beim Paris-Marathon am nächsten Wochenende, bei dem
über 30.000 Athleten teilnehmen, war es für Nicole Munk nicht nur
Training, sondern Pflicht, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. „Mehr
und mehr vernachlässigt die Politik das Wichtigste, die Ausbildung
unserer Kinder. Ich habe im Wahlkampf meine Zeichen gesetzt, nun trete
ich im wahrsten Sinne des Wortes dafür ein. Eigentlich sollten alle
Politiker mal einen Marathon laufen, damit sie wissen, wovon sie reden.
Einmal den inneren Schweinehund besiegen, Meter um Meter an die eigenen
Grenzen gehen, dass täte jedem mal gut“ - so die Rödgenerin nach der
60. Runde, die den absoluten Rekord an beiden Tagen bedeutete.
60 mal
50 Mark - Hans-Bernd Koal wird es gerne verkraften, hat er mit dem
Sponsoring auch seinen Teil für die gelungene Veranstaltung geleistet.
Nicole
Munk indes verließ den Ort der Geschehnisse sehr schnell. Auf ein
„Vielen Dank“ von Direktor Fritz kam ein kurzes „Keine Ursache, gern
geschehen“. Sie hatte einfach am Samstagnachmittag noch geschäftliche
Termine.
Präsenz
zeigte auch Stadtrat Bernd Witzel, der über den Verlauf der
Veranstaltung wohl weniger glücklich war, denn seine Frau Doris
beteiligte sich ebenfalls an dem Lauf. „Mehr als vier Runden werden es
wohl nicht“, so der Stadtrat übermütig. Da hatte er wohl die Rechnung
ohne die Wirtin gemacht. Doris Witzel kam locker auf neun Runden und
ihr Gatte war mal schnell an die 500 "Hühner" los. „Ein teurer Samstag“,
so der Stadtrat, der zwischenzeitlich noch eine Schülerin sponserte.
Außerdem ließ er es sich nicht nehmen, mal eine Runde selbst mit Nicole
Munk zu laufen. Allerdings wurde da nicht nur der Altersunterschied
deutlich.
Alles in allem: Es war eine Riesenaktion, die der Stadtschule an der Wilhelmskirche viele Freunde gebracht haben dürfte.
Bezeichnend auch die Mithilfe der Eltern, die bei angenehmem Sonnenschein für die Schule den Frühling herauf beschworen.
Erschienen in der Sz BN am 06.04.2001 |